„Das Leben ist schön“

So steht es geschrieben in der Todesanzeige von Jule. Jule war in meinem Alter, selbst in der Intensivmedizin tätig, wunderbar durchgeknallte Mama von Justus und Anton, Grundschüler, Fussballer, Kichererbsen. Und wir, wir waren ihre letzte Option. Waren.

Ich erinnere mich an 2010, endlich in diesem Krankenhaus angekommen, 8000 Mitarbeiter, 24 Kliniken, 1500 Betten. Nicht mehr damit beschäftigt was man nun wo findet und wen man wie erreichen kann. „Wir übernehmen eine Krankenschwester, aus dem Haus, mit Leukämie.“ Dass dieser Tag mich bis heute verfolgen wird, hätte ich auch nie gedacht. Wir therapierten, freuten uns, waren schockiert, therapierten wieder, transplantierten, rätselten über Komplikationen, freuten uns, kämpften, schimpften, lachten, hofften. Wir erfreuten uns an Kindergartengeschichten, Schulgeschichten, Witzen, Anekdoten. Wir waren erneut schockiert, schockstarr, erschlagen, therapierten, transplantierten, fieberten mit als Angehörige Unfälle oder Herzinfarkte hatten. Wir hofften wieder und landeten auf dem Boden der Tatsachen. Wir hielten ihre Hand, lachten, schnauften, umarmten sie und ihren Mann. Und begleiteten sie die letzten 22 Stunden, durften sehen wie sehr sie geliebt wurde, wie Familie und Freunde an ihrer Seite waren.

Standen heute an der Kaffeemaschine, verkniffen uns Tränen, philophilosophierten über sieben Jahre Kampf, Angst und viel Freude. Öffnen die Zeitung, Lesen.

„Das Leben ist schön“

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3 Gedanken zu “„Das Leben ist schön“

  1. Pingback: Tschüss Klinik! | Frau Mittenmang

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