Elba, die Dritte

Gut einen Monat sind wir schon wieder zu Hause und es fühlt sich an als wäre es eine Ewigkeit. 

Neben Spazierengehen, Wandern, Baden, Schnorcheln und Lesen stand noch ein Tagesausflug nach Portoferraio auf dem Programm. Da die Parksituation in der Hafenstadt eher bescheid ist, entschlossen wir  uns mustig mit dem Bus 118 der blauen Linie zu fahren. All unsere Recherchen vor Ort, im Reiseführer und Internet verwiesen uns auf das blaue Gefährt mit Haltestelle am Keramikladen. Wie sich zweigte war die Haltestelle wirklich dort, aber weder der Preis fürs Küken, die farbe des Busses noch die Linie stimmt. Aber wir sind angekommen, zunächst im Bus, aber wie sich auf der Kurvenreichen Strecke zeigte, war das Abenteuer wohl erst vorbei wenn wir am Abend wieder wohl behalten an unserem Wohnmobil ankommen würden. Freitags ist in Portoferraio Markt, wir bummelten dort, bewunderten heimische Handwerkskunst, Touristenschrott, genossen die Auswahl der lokalen Speisen und erstanden eine Klangschale, die schon lange auf dem Wunschzettel des Hauses stand. Vom Markt aus ging es am Hafenbecken entlang zum Fortezze Medicee. Die mediceidchen Bastionen reichen über mehrere Ebenen zu einer Burg. Ein toller Spaziergang bei dem man so einiges lernen kann, mit ausreichend Schatten und relativ wenig Menschen für einen Freitag Anfang September. Nach einem Besuch des kleinen Museums am Gipfel der Verteidigungsanlage ging es zurück in die Stadt. Auf halbem Weg lädt uns in einer engen Gasse die Terrasse eines Italienischen Restaurants ein, wir trinken phantastischen Wein, Essen vorzügliche Pasta und sind offensichtlich die einzigen Touristen im Lokal. Wir werden freundlich bedient und mit vier Wochen Babble Intensiv Kurs kommen wir relativ weit. 

Weiter geht es wieder ans Wasser, während sich der Herr des Hauses ein schattiges Plätzchen am Torre del Martello, einem eindrucksvollen Wachturm zum malen suchte, erobern wir Damen das Museum della Linguella. Nach so  viel römischer und etruskischer Kulturgeschichte erobern wir das Außengelände, Klettern hinab ans Wasser, unterschätzen die Wellen der vorbei eilenden Fähre und werden klatschnass. Wir lachen und genießen das tolle Wetter bevor uns wieder der nicht blaue Bus, mit der großen 12 in der Windschutzscheibe zurück zum Campingplatz bringt. Ein toller Ausflug, den wir immer wieder so machen würden.

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Die Sache mit dem Wohnmobil

Bis vor 18 Monaten gab es für mich ja bei Urlaub eigentlich nur ein NoGo: Campen!
Als Abenteuertrip für ein Wochenende mit dem Zelt auf eine Elbinsel, ins Gebirge oder als Unterkunft für ein Event, alles schön und gut. Aber im Urlaub gibt’s Erholung, ein Hotel, mindestens Halbpension wenn nicht All In und ein gemachtes Bett, jeden Tag! Die Sauna und das Schwimmbad sollten eigentlich nicht fehlen und da die Ökobilanz nach zig Kreuzfahrten eh im Eimer ist, ist ein Schiff sowieso die beste Art zu reisen!
Und dann, dann kam dieses Wohnmobil in die Familie. Von Schwiegereltern als Lebenstraum gekauft für die gesamte Familie stand es nun da. Leuchtend weiß, zu groß um klein zu sein, zu klein um auch nur im Ansatz sich einen erholsamen Urlaub darin vorstellen zu können. Aber es war da. Die Euphorie der restlichen Familie, auch der besseren Hälfte, färbte sicher nicht ab, aber jetzt, da ein Wettkampf an der Zugspitze vor der Tür stand und das Wetter nun wirklich nicht nach Zelt aussah, fuhren wir eben los. Voll gepackt bis oben hin, landeten wir dann doch bei Sonnenschein am Fuße der Zugspitze und mit frisch gekochtem Kaffee im Liegestuhl war das Wohnmobil dann doch ganz nett. Und spätestens beim einsetzenden sintflutartigen Regen am Abend, einer funktionierenden Heizung und dem Fernseher am Bett war die Begeisterung dann auch bei mir nicht klein. Wir beschlossen also, wir tun es dem Rest der Familie gleich, halten die Tradition hoch, tun es wie tausende andere Deutsche auch und fahren in den Ferien nach Cavallino. Der Platz war schön, der Strand sauber, das Meer warm, Venedig nicht weit – gut, ich hab mich überzeugen lassen, Camping kann toll sein! Es folgten weitere Trips und am Bodensee kamen das erste mal leise Zweifel. Mit dem Wohnmobil vom Platz runter, in die nächste Ortschaft oder Stadt geht schon, aber ist mit viel Aufwand verbunden, vorallem weil das Nachwuchs-Bett ja jedesmal umgebaut werden muss. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt nur Platz für zwei Räder am Wohnmobil und so haben wir bei doofer Nahverkehrsanbindung viel zu Fuß erledigt, was im Urlaub auch schön sein kann. 

Aber nach einem Tag Shoppen und Museum sind die 2km zum Campingplatz auch für das Küken eine echte Herausforderung, dies haben wir aber vor dem diesjährigen Sommerurlaub mit einem neuen Fahrradträger behoben. Allerdings war das diesjährige Ziel Elba, geprägt von Hügeln und Bergen wäre das für uns Erwachsene, geübte Radsportler keine Sache, für Kinder aber eine echte Herausforderung und schnell an dem Punkt der völligen Eskalation. Und wieder waren wir an dem Punkt, zwar mit dem Wohnen in der Natur, viel draußen zu sein und ohne den großen Luxus total glücklich zu sein, aber eben mit Wohnmobil trotzdem nicht frei genug zu sein.

Wir überlegten hin und her. Ein Wohnwagen wäre vielleicht sinniger, mit PKW wäre die Flexibilität da, aber die Plätze die wir bisher anfuhren (abgesehen von Ca’Savio) waren mit Wohnmobil schon oft eng, machten uns aber total glücklich. Außerdem wären wir viel langsamer und damit länger unterwegs, ich bewundere viele Kollegen, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60-70kmh nach Kroatien bummeln, mich würde es verrückt machen. Wir bräuchten neben dem Wohnmobil, auch eine Anhängerkupplung und mit den neuen Führerscheinen wäre das auch schon wieder so eine Sache. Also haben wir nun für viele sicher einen Schritt zurück , für uns aber, zumindest glauben wir dies aktuell noch, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und uns ein Familienzelt gekauft. Wir haben zwar kein Bad mehr, das haben wir aber eh noch nie genutzt, aber insgesamt mehr Fläche als im Wohnmobil. Zwei Schlafkabinen, da kann dann der Teenie auch mal die „Tür“ zu machen, oder wir…
Und wir reisen mit dem Auto flott und sind vor Ort flexibel. Außer für 30 Minuten im Garten stand das Zelt noch nicht, jetzt geht es ans Equipment recherchieren, kaufen und passend Packen.

Im Oktober oder spätestens November geht es dann hoffentlich nochmal ein langes Wochenende in den Süden und dann schauen wir mal, ob uns diese Art des Campings noch glücklicher stimmt.