„Du bist also bei der Feuerwehr…“

Diesen Satz hab ich in den letzten 19 Jahren unzählige male gehört. Gleich danach kommt dann die Frage: „Und was macht man da so?“ und beides mit dem gewissen Blick aus Skepsis und Verachtung, selten mit Bewunderung.

Während die meisten sagen, sie wollten schon immer zur Feuerwehr, fiel die Entscheidung bei mir etwas pragmatischer. Es gab einen Tischtennisverein und eine Jugendfeuerwehr bei uns im Dorf, da ich aber für ersteres zu blind war, blieb nur zweiteres übrig und inzwischen bin ich froh ein Teil dieser Institution zu sein. Vor 19 Jahren, gerade der Dorf-Feuerwehr mit Anhänger für den Traktor beigetreten, hätte ich nicht ganz erwartet mal in einer Feuerwehr mit knapp 400 Aktiven zu sein, mehr Einsätzen im Jahr als in der Dorffeuerwehr im ganzen Leben und mit fast so vielen Fahrzeugen wie Dorfeinwohnern. Zugegeben, der letzten Punkt ist übertrieben, aber bei über 40 Fahrzeugen kann man den überblickt auch durchaus mal verlieren.

Nach einer unglaublich lehrreichen Zeit in den Jugendgruppen zwei grundverschiedener Feuerwehren, in denen ich viel feuerwehr-spezifisches aber vor allem auch viel über Werte erlernte, lag es nahe auch weiter diesem Hobby nachzugehen.

Seit zehn Jahren bin ich nun hier in dieser Stadt bei der Feuerwehr. Zunächst in einer anderen Gruppe, wechselte ich vor nun zwei Jahren umzugsbedingt in meine jetzige: 50 aktive Kameraden, 5 Fahrzeuge. Ich mag die Kameradschaft, das unentwegte Lernen, manchmal auch das Adrenalin, die körperliche Anstrengung, aber auch den Smalltalk nach einer Übung, das Schweigen im Fahrzeug auf Einsatzfahrten, das Gelächter nach der dritten Fehlalarmierung am Tag. Ich mag den Zusammenhalt, der unterschiedlichsten Charaktere. Das man sich laut Streiten kann und 30 Sekunden später wieder ein unschlagbares Team sein kann. Ich mag es, wenn nur die Küche und nicht das ganze Haus abgerannt ist, ich mag es wenn die Katze vom Dach ist, und der Rettungsdienst Unfallopfer kompetent versorgen kann, weil die Feuerwehr sie befreit hat. Ich mag es fix und alle aus dem Atemschutzeinsatz zu kommen, und kleinen Kindern von meinem Hobby zu erzählen und dabei die leuchtenden Augen zu beobachten.

Ich mag es nicht, wenn man sich über Feuerwehren lustig macht, wenn man schlecht über ihre Arbeit redet. Ich mag es nicht, wenn ich morgens um drei, Stunden lang auf einen Staatsanwalt warten muss. Wenn man Türen öffnet und niemand mehr „Hallo“ ruft. Ich mag es nicht, wenn man das Auto als solches, nach dem Unfall nicht mehr erkennt. Wenn die Bewohner verzweifelt vor ihrem brennenden Haus stehen, mag ich das auch nicht. Ich mag nicht, wenn der Melder geht und man zum Einsatz muss, wenn die ganze Familie beim Essen sitzt. Und wenn man sich über „diesen Verein“ lustig macht, mag ich das auch nicht.

Ich bin gerne Feuerwehrkamerad und mach meine Arbeit wie jeder andere auch. Und ich muss mich nicht über tolle Bilder oder Heldengeschichten profilieren. Bei einer Brandleiche gibts es auch keine Heldengeschichte. Bei einem schwerst Verletzten Unfallopfer auch nicht. Bei einer Türöffnung nach Suizid sowieso nicht. Beim Arm aus der Knetmaschine befreien auch nicht wirklich.
Aber ja vielleicht beim, vom brennenden Balkon, geretteten Kaninchen am letzten Ostersamstag.

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