Die Sache mit dem Sport

Sport war immer ein Teil meines Lebens. Schon im Maxi Cosi zu den Gardeproben meiner Mutter mitgeschleppt, führte mich mein sportlicher Weg zunächst zum turnen, später zum Gardetanzen. Volleyball war eine Zeit ganz groß im Kurs. Konditions- und Krafttraining beim Ringen. Ski fahren so oft wie nur geht. Mit dem DAV auf Kletterfreizeiten und mit der DLRG beim Tauchen. Schwimmen schon immer mein Ding. Später kam das Laufen hinzu. Und das Radfahren. Die Triathlon-„Karriere“ war vorprogrammiert. Und jetzt?

Noch nicht lange her, stolperte ich um 6.00Uhr ins benachbarte Schwimmbad und schwamm in der Woche 10km schnell schnell noch vor der Arbeit. Ich schnürte noch viel früher Laufschuhe und trabte durch Stadt und Land. Jede freie Minute verbrachte ich auf dem Rad, Kilometer um Kilometer. Im Winter ständig auf Skiern unterwegs. Und jetzt?

Ich weiß nicht genau wann es anfing, dass Sport nur noch Last und Zwang wurde. Vielleicht hab ich in den letzten 30 Jahren zu viel Sport gemacht, vielleicht veränderte sich mein Leben insgesamt? Mein letzter Wettkampf liegt weit über ein Jahr zurück und während ich vor zwei Jahren als Begleitperson bei Wettkämpfen noch diese innere Unruhe verspürte und den Drang nun wieder Sport machen zu wollen, ist da jetzt nichts mehr. Am Wochenende hatten wir Besuch von 20 laufverrückten, liebenswerten Menschen und man fragte ob ich mal wieder Laufen wollen würde. Und ich antwortete  Monaten ehrlich: Nein! Es wäre nur mit Zwang verbunden, und nicht mit Spaß. Oft erwische ich mich, durch die Erinnerungen meiner „Sportzeit“ zu schwelgen. Joggen noch vor der ersten Lehrveranstaltung, Muskelaufbau bis die Tränen fließen, Radstürze, Notaufnahmenbesuche, Siegerehrungen, blutige Füße, brennende Augen, Muskelkater aus der Hölle. Und auf all dies schaue ich mit Freude und manchmal auch ein wenig Stolz.

Im Moment sitze ich auf der Couch, blick aus dem Fenster, buntes Laub, blauer Himmel. Man könnte Laufen gehen, oder mit dem Mountainbike durch den Wald jagen. Und dennoch sitze ich hier einfach und weiß gerade nicht wirklich wohin mit mir. Und so kommt zu der Frage wann Sport anfing Last zu werden auch die Frage Warum.
Und ich weiß es einfach nicht.

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Elba, die Vierte oder Elba, für alle die keinen Bock auf Blog-Lesen haben

Anreise über San Bernardino unglaublich hübsch, Österreich kann man die Mautstrecke hübsch umfahren und für eine Zwischenübernachtung können wir den Agriturismo-Betrieb Torrazzetti, bei Mailand, empfehlen.

Fähre sollte man wohl in der Hauptreisezeit buchen, vorallem am Wochenende. An einem Montag Nachmittag Ende August waren wir mutig, und wurden belohnt. Zum einen mit günstigem Preis, zum anderen mit keinerlei Wartezeit zur Abreise.

Campingplätze gibt es auf Elba viele und in unterschiedlichster Form. Groß mit viel Service, klein und familiär, am Meer und in den Bergen. Hier findet sicherlich jeder seinen Platz.

Das Meer ist Ende August warm und lädt zum Baden ein. Lacona und sein Sandstrand ist auch für Familien mit kleinen Kindern ein gutes Ziel. Zum Schnorcheln jedoch eignen sich die Steinstrände und vielen kleinen Buchten besser.

Fahrräder sieht man viele auf der Insel, jedoch eignen sie sich nur für trainierte Radfahrer als gutes Fortbewegungsmittel.

Öffentlichen Nahverkehr gibt es, aber nur begrenzt und die im Internet verfügbaren Infos stimmten nicht ganz mit dem Überein, was wir dann auf Elbe herausfanden. Jedoch war es gut machbar und wirkte auch recht zuverlässig.

Portoferraio ist einen Tagesausflug wert und bietet trotz seiner recht kleinen Größe recht viel!

Restaurants gibt es viele, ans Herz legen möchten wir euch das Restaurant an unserem Camping Platz *Orti di Mare* hier wird aus lokalen Zutaten feinstes Essen gezaubert. Und das Eis ist göttlich.

Wir waren im Sommer hier, aber auch zu jeder anderen Jahreszeit hat Elba sicherlich seinen Reiz. Wäre der Skiurlaub nicht schon gebucht würden wir dieses Jahr vielleicht sogar zu Silvester nochmal flüchten.

Die Heimfahrt führte uns an den Kalterer See wo wir einen tollen Abend mit schönem modernen Stellplatz verbrachten. Der Besitzer war sehr herzlich und das Essen am See ein Traum. Der Stau auf dem restlichen Weg war sehr unnötig.

Elba, die Dritte

Gut einen Monat sind wir schon wieder zu Hause und es fühlt sich an als wäre es eine Ewigkeit. 

Neben Spazierengehen, Wandern, Baden, Schnorcheln und Lesen stand noch ein Tagesausflug nach Portoferraio auf dem Programm. Da die Parksituation in der Hafenstadt eher bescheid ist, entschlossen wir  uns mustig mit dem Bus 118 der blauen Linie zu fahren. All unsere Recherchen vor Ort, im Reiseführer und Internet verwiesen uns auf das blaue Gefährt mit Haltestelle am Keramikladen. Wie sich zweigte war die Haltestelle wirklich dort, aber weder der Preis fürs Küken, die farbe des Busses noch die Linie stimmt. Aber wir sind angekommen, zunächst im Bus, aber wie sich auf der Kurvenreichen Strecke zeigte, war das Abenteuer wohl erst vorbei wenn wir am Abend wieder wohl behalten an unserem Wohnmobil ankommen würden. Freitags ist in Portoferraio Markt, wir bummelten dort, bewunderten heimische Handwerkskunst, Touristenschrott, genossen die Auswahl der lokalen Speisen und erstanden eine Klangschale, die schon lange auf dem Wunschzettel des Hauses stand. Vom Markt aus ging es am Hafenbecken entlang zum Fortezze Medicee. Die mediceidchen Bastionen reichen über mehrere Ebenen zu einer Burg. Ein toller Spaziergang bei dem man so einiges lernen kann, mit ausreichend Schatten und relativ wenig Menschen für einen Freitag Anfang September. Nach einem Besuch des kleinen Museums am Gipfel der Verteidigungsanlage ging es zurück in die Stadt. Auf halbem Weg lädt uns in einer engen Gasse die Terrasse eines Italienischen Restaurants ein, wir trinken phantastischen Wein, Essen vorzügliche Pasta und sind offensichtlich die einzigen Touristen im Lokal. Wir werden freundlich bedient und mit vier Wochen Babble Intensiv Kurs kommen wir relativ weit. 

Weiter geht es wieder ans Wasser, während sich der Herr des Hauses ein schattiges Plätzchen am Torre del Martello, einem eindrucksvollen Wachturm zum malen suchte, erobern wir Damen das Museum della Linguella. Nach so  viel römischer und etruskischer Kulturgeschichte erobern wir das Außengelände, Klettern hinab ans Wasser, unterschätzen die Wellen der vorbei eilenden Fähre und werden klatschnass. Wir lachen und genießen das tolle Wetter bevor uns wieder der nicht blaue Bus, mit der großen 12 in der Windschutzscheibe zurück zum Campingplatz bringt. Ein toller Ausflug, den wir immer wieder so machen würden.

Die Sache mit dem Wohnmobil

Bis vor 18 Monaten gab es für mich ja bei Urlaub eigentlich nur ein NoGo: Campen!
Als Abenteuertrip für ein Wochenende mit dem Zelt auf eine Elbinsel, ins Gebirge oder als Unterkunft für ein Event, alles schön und gut. Aber im Urlaub gibt’s Erholung, ein Hotel, mindestens Halbpension wenn nicht All In und ein gemachtes Bett, jeden Tag! Die Sauna und das Schwimmbad sollten eigentlich nicht fehlen und da die Ökobilanz nach zig Kreuzfahrten eh im Eimer ist, ist ein Schiff sowieso die beste Art zu reisen!
Und dann, dann kam dieses Wohnmobil in die Familie. Von Schwiegereltern als Lebenstraum gekauft für die gesamte Familie stand es nun da. Leuchtend weiß, zu groß um klein zu sein, zu klein um auch nur im Ansatz sich einen erholsamen Urlaub darin vorstellen zu können. Aber es war da. Die Euphorie der restlichen Familie, auch der besseren Hälfte, färbte sicher nicht ab, aber jetzt, da ein Wettkampf an der Zugspitze vor der Tür stand und das Wetter nun wirklich nicht nach Zelt aussah, fuhren wir eben los. Voll gepackt bis oben hin, landeten wir dann doch bei Sonnenschein am Fuße der Zugspitze und mit frisch gekochtem Kaffee im Liegestuhl war das Wohnmobil dann doch ganz nett. Und spätestens beim einsetzenden sintflutartigen Regen am Abend, einer funktionierenden Heizung und dem Fernseher am Bett war die Begeisterung dann auch bei mir nicht klein. Wir beschlossen also, wir tun es dem Rest der Familie gleich, halten die Tradition hoch, tun es wie tausende andere Deutsche auch und fahren in den Ferien nach Cavallino. Der Platz war schön, der Strand sauber, das Meer warm, Venedig nicht weit – gut, ich hab mich überzeugen lassen, Camping kann toll sein! Es folgten weitere Trips und am Bodensee kamen das erste mal leise Zweifel. Mit dem Wohnmobil vom Platz runter, in die nächste Ortschaft oder Stadt geht schon, aber ist mit viel Aufwand verbunden, vorallem weil das Nachwuchs-Bett ja jedesmal umgebaut werden muss. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt nur Platz für zwei Räder am Wohnmobil und so haben wir bei doofer Nahverkehrsanbindung viel zu Fuß erledigt, was im Urlaub auch schön sein kann. 

Aber nach einem Tag Shoppen und Museum sind die 2km zum Campingplatz auch für das Küken eine echte Herausforderung, dies haben wir aber vor dem diesjährigen Sommerurlaub mit einem neuen Fahrradträger behoben. Allerdings war das diesjährige Ziel Elba, geprägt von Hügeln und Bergen wäre das für uns Erwachsene, geübte Radsportler keine Sache, für Kinder aber eine echte Herausforderung und schnell an dem Punkt der völligen Eskalation. Und wieder waren wir an dem Punkt, zwar mit dem Wohnen in der Natur, viel draußen zu sein und ohne den großen Luxus total glücklich zu sein, aber eben mit Wohnmobil trotzdem nicht frei genug zu sein.

Wir überlegten hin und her. Ein Wohnwagen wäre vielleicht sinniger, mit PKW wäre die Flexibilität da, aber die Plätze die wir bisher anfuhren (abgesehen von Ca’Savio) waren mit Wohnmobil schon oft eng, machten uns aber total glücklich. Außerdem wären wir viel langsamer und damit länger unterwegs, ich bewundere viele Kollegen, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60-70kmh nach Kroatien bummeln, mich würde es verrückt machen. Wir bräuchten neben dem Wohnmobil, auch eine Anhängerkupplung und mit den neuen Führerscheinen wäre das auch schon wieder so eine Sache. Also haben wir nun für viele sicher einen Schritt zurück , für uns aber, zumindest glauben wir dies aktuell noch, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und uns ein Familienzelt gekauft. Wir haben zwar kein Bad mehr, das haben wir aber eh noch nie genutzt, aber insgesamt mehr Fläche als im Wohnmobil. Zwei Schlafkabinen, da kann dann der Teenie auch mal die „Tür“ zu machen, oder wir…
Und wir reisen mit dem Auto flott und sind vor Ort flexibel. Außer für 30 Minuten im Garten stand das Zelt noch nicht, jetzt geht es ans Equipment recherchieren, kaufen und passend Packen.

Im Oktober oder spätestens November geht es dann hoffentlich nochmal ein langes Wochenende in den Süden und dann schauen wir mal, ob uns diese Art des Campings noch glücklicher stimmt.

Elba, die Zweite

Die Fähre öffnete ihr Tor, die Sonne blendet, aus dem dunklen Bauch verlassen wir als erste die Fähre. Flott, flott, flott einfach erstmal weg aus dem Zentrum von Portoferraio, immer den Schildern nach, Richtung Lacona. Über eine Passstraße kreuzen wir die Inselmitte gen Süden, jede Kehre eröffnet uns einen neuen großartigen Blick in die unzähligen Buchten der Insel. Umscheinbar, an einer ruhigen Straße finden wir den Hofladen unseres Agriturismo-Campingplatzes, und direkt daneben die Rezeption. Italienische Musik, gemütliche Plätze unter Weinreben und Luca, der freundlichen junge Staff lassen uns mit einem Schlag einfach ankommen. Luca zeigt uns auch den etwas unübersichtlichen Weg zu unserem großzügigen Stellplatz im Pinienhain. IMG_20170829_104735_770

20m zum nächsten Waschhaus, 10m zur Outdoordusche und dem Waschplatz direkt zwischen den Zelten und Wohnmobilen. Wunderbare Hängemattenbäume, Schatten und viel viel Ruhe, zumindest bis 18Uhr. Dann beginnt die Animation eines nahe gelegenen Hotels, wir haben es jeden Abend mit Humor genommen, konnten es ja auch nicht ändern.

Der Weg zum Strand ist ausgeschildert und geht unter Pinien an Kakteen vorbei, den Hügel hinab. 20170829_092642Einmal über die Straße ist man schon am Meer, sauber, warm und am Strand viele viele Italiener, die aus unserer Sicht,  meistens die angenehmeren Strandnachbarn sind. Es gibt Liegen und Sonnenschirme zu leihen, aber auch viel Platz für alle anderen. Es gibt zwei Kioske mit guter Auswahl zu relativ humanen Preisen. Über den Strand erreicht man auch den Campingplatz Tallinucci recht einfach, der ohne Bändchen geführt wird und somit auch für uns zum Einkaufen diente. Brot, allerdings muss unbedingt bei Orti di Mare gekauft  werden,  zwar alles andere als billig, aber das Weißbrot war das einzige welches genießbar war und das Haselnuss-Rosinen-Brot war das göttlichste was ich je aus eibem Backofen gegessen habe. Im Cafe/Restaurant am Platz kann man den ganzen Tag verbringen, von Frühstück, über kleine Snacks bis hin zu täglich wechselnden Abendessen, leckerem Wein und gutem Kaffee ist hier für jeden was dabei. Foto 04.09.17, 15 43 16Unter den Weinreben und Olivenbäumen kann man auch in Loungemöbeln und Hängematten die Urlaubsruhe genießen.
Zehn gemütliche Gehminuten entfernt findet sich noch ein Minimarkt und direkt daneben die Pizzeria Mondo, welche alle unsere Erwartungen erfüllte. Leckere Pizza mit dünnem Boden und frischen Zutaten, preislich waren wir positiv überrascht.

Egal welche Art Camping man bevorzugt, klein und familiär, groß mit Animation oder Agricamping, in der Bucht von Lacona findet man alles. Allein die Anbindung an den Nahverkehr ist ein wenig mau. Aber auch dies hinderte uns nicht, die einzig mögliche Verbindung zu nutzen und Portoferraio einen Tag mit dem Bus zu erkunden. Dazu jedoch dann mehr in Teil 3 unseres Urlaubberichts.

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Elba, die Erste

Urlaub, er geht so schnell vorüber und dieser noch schneller als alle andere zuvor. Ob es daran liegt, dass ich alt werde oder daran, dass Elba alle meine Erwartungen übertroffen hat, ich weiß es nicht.

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Traditionell beginnt der Südeuropa-Sommerurlaub damit, auf direktem Umweg erstmal in den Norden zu fahren, also zumindest in den Norden Bayerns, um in der Heimat die Kirchweih am Freitag zu besuchen und am Samstag zu helfen, bevor es am Sonntag Morgen dann endlich wirklich in den Süden geht. Natürlich sind es drei Tage verlorene Zeit im Süden, aber so eine Zeltkirchweih mit alten Bekannten, einer funktionierenden Dorfgemeinschaft und dem Jacky-Cola für 3€ hat ja für einen Städter auch etwas abenteuerliches. Außerdem hat das Aufbrechen am letzten August Sonntag auch den wunderbaren Vorteil, ohne LKWs und große Staus in den Süden zu kommen. Unsere Route brachte uns über die A9 nach Nürnberg, weiter über die A6 und A7 an den Bodensee, hier verließen wir die Autobahn um Österreich ohne Maut zu durchqueren und bei St. Margrethen auf die Schweizer Autobahn zu fahren. Nach dem San Bernardino-Tunnel, stockt uns erstmals der Atem. Über weite Brücken und lang gezogene Kehren überwinden wir 1000hm hinunter ins Misox. Weiter geht es in den Süden, am Luganersee überkommt uns das erste mal so richtiges Urlaubsgefühl. Glitzernd zwischen all den Bergen und weit über 30Grad. Wir überqueren den See über die Autobahn und fahren weiter gen Süden. Mailand umfahren wir, und sind erstaunt wie ruhig es am späten Sonntag Nachmittag im Speckgürtel auf den Autobahnen ist. 40km hinter Milano fahren wir in die Pampa, über eine Schotterpiste erreichen wir am Ende der Welt unseren Agriturismo-Betrieb zur Zwischenübernachtung. Nach acht Stunden im Wohnmobil und 800 Pinkelpausen freuten wir uns auf ein leckeres Essen im Restaurant, italienischen Wein und noch einen kurzen Sprung ins kalte Nass des Pools – aber der Betrieb hat zu! So richtig! Kein Restaurant, keine Gäste – aber immerhin eine Chefin die uns 5€ abknöpft für einen wunderbaren ruhige und beleuchteten Parkplatz mit unendlicher Ruhe. Die Lage entschädigt für alles und mit WoMo haben wir glücherweise alles dabei, inkl. Abendessen. Am nächsten Tag starten wir sehr früh die Weiterreise, nächstes Ziel das Einkaufszentrum zwei Orte weiter.

20170828_094226Mit Lebensmitteln und nun auch Unterwäsche (da meine wohl noch Kirchweih bei meinen Eltern feiert) weiter über die Autobahn, vorbei an wohl allen Drehorten sämtlicher Italowestern mit trostlosen Kulissen, weiter Richtung Fähre. Vorbei an Carrara und Pisa erblickten wir am Horizont Elba im Meer! Entgegen aller Empfehlungen von Internet, Reiseführern und Arbeitskollegen, hielten wir uns an den Ratschlag der Bergwachtkameraden und reservierten nicht. In Piombino direkt an der Zufahrt zu den Piers, rechter Hand gelegen, steuerten wir um 14:57Uhr den Parkplatz an, um entspannt ein Ticket zu kaufen, durch zu atmen, etwas zu Essen, zu trinken und in Ruhe auf eine Fähre zu fahren und endlich ans Ziel zu kommen. Letztlich endete es in Hektik, italienisch-deutsch-englischem Sprachchaos und einem Platz auf der Fähre die glücklichweise entgegen aller Erwartungen doch noch mit uns um 15:05Uhr den Hafen Richtung Elba verließ. Zum ersten Mal auf die Fähre mit dem Wohnmobil, Rückwärts und das eine Minute vor Abfahrt – mehr Abenteuer hat es dann aber nicht mehr gebraucht für diesen Urlaub…

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Wir entschieden uns für Corsica Ferries, was aber eher daran lag, dass die Verkäuferin am Ticketschalter am lautesten rief und freundlichsten schaute. Das Fährpersonal half beim rangieren auf die Fähre und hinwärts durften das Küken und ich auch sitzen bleiben und mussten nicht zu Fuß auf die Fähre, was aber wohl eher an der knapp bemessenen Zeit lag. Die Überfahrt war ruhig, flott, sonnig, windig und bot uns einen wunderbaren Blick auf Elba. In Elba angekommen fuhren wir über eine Passstraße auf direktem Wege zu unserem Campingplatz. An den wir ziemlich viele Anforderungen gestellt hatten, die Suche sich zunächst etwas schwierig gestaltete, aber letztlich zu einem glücklichen Ende kam, mit dem Platz Orti di Mare, der all unsere Ansprüchen gerecht wurde! Über den Campingplatz, Sandstrand, dem neu entdeckten Schnorcheln und vieles Mehr berichte ich im nächsten Teil des Urlaubsberichts. Jetzt müssen wir erstmal unser neu erstandenes Zelt aufbauen!

 

Frau Mittenmang näht

Noch bevor ich diesen Beitrag schreibe, möchte ich mich bei denjenigen entschuldigen, die mir folgen weil ich ganz ehrlich frei von der Leber übers Leben schreibe.
Primär wird das auch so bleiben, jedoch nahm vor einigen Wochen ein Drama seinen Lauf. Ich feierte meinen Geburtstag mit einer wunderbaren Gartenparty, selbstgebrautem Bier, vielen vielen Freunden, Kameraden und Kollegen meinen Geburtstag und bekam, welch Freude, von allen zusammen eine Nähmaschine geschenkt. Mit Nähmaschine im Haus hat es mich nun gepackt, dieses furchtbare Nähfieber. Ich erspar euch allen all meinen Nähkram, wie Pullis, Kleider und T-Shirts aussehen wisst ihr, aber es gab ein Projekt, dass von einigen näher beleuchtet werden will. Daher nun also ein kleines aber feines Update zum:

„Projekt Strandtasche“

Alle Strandtaschen waren bisher immer nur okay, zu klein, zu unhandlich, zu groß, zu schwer, zu unübersichtlich und die letzte ist seit den zwei Wochen Italien 2016 2017-07-17-22-24-42.jpgirgendwie spurlos verschwunden. Also machte ich mir in den letzten Wochen viele Gedanken über die perfekte Strandtasche, außerdem möchte ich allen danken, die mir so viel Input gegeben haben und die Tasche so haben werden lassen, wie sie nun ist.
Die Tasche sollte schmutzabweisend sein, groß genug für eine Familie, übersichtlich. Mit einzelnen Fächer für drei Lektüren, ein Fach für Geldbeutel, Schlüssel sollten unter gebracht werden können. Außerdem sollte die Möglichkeit gegeben sein, die nassen Badesachen unterzubringen und eine 1,5l Wasserflasche kühl unterzubringen sein.

Ich hab zunächst das InnenleIMG-20170719-WA0001ben mittels Klebefilm auf eine Tischplatte aufgeklebt, um zu sehen wie groß die Tasche sein muss und auch wie sich am besten alles anordnen lässt, es war mit Sicherheit nicht sonderlich professionell aber es hat mir unglaublich geholfen abschätzen zu können, wie groß die Tasche sein muss, aber auch um zu sehen wie groß sie maximal sein darf um noch gut mitnehmbar zu sein. Beim Material für die Außentasche hab ich mich für beschichtete Baumwolle entschieden.

img-20170720-wa0010.jpgEin Schnittmuster hab ich nicht angefertigt, da die Tasche nur aus geraden Linien besteht habe ich mit einer Vorlage auf Din A 4 gearbeitet und alles mit Schneiderlineal und Kreide direkt auf den Stoff gemalt. Die beschichtete Baumwolle hab ich mit Decofil light verstärkt, eine einfache aufgesetzte Tasche auf der Vorderseite schmückt die Tasche, die Gurtbänder habe ich in einer Länge gewählt, die für mich nicht zu lange und den Mann nicht zu kurz ist, bei mehr als 20cm Größenunterschied gar nicht so einfach.
Das Außenleben lässt sich nun ziemlich selbsterklärend einfach zusammennähen.

img-20170720-wa0007.jpgDas Innenleben hat nun in der Endfassung ein dreigeteiltes Bücherfach, ein Fach mit Reisverschluss für den Geldbeutel und weil es uns im letzten Jahr so genervt hat jedesmal den Wohnmobnilschlüssel in den Abgründen einer Tasche zu finden, dass es einen Schlüsselkarabiner gibt. Der zweite Karabiner ist für das Befestigen einer weiteren Innentasche (vermutlich eine Isoliertasche für eine 1,5l Flasche).  Der Boden ist doppelt genäht, als Einschiebefach für einen Boden. Auch das Innenleben lässt sich ziemlich selbsterklärend zusammen nähen.
IMG-20170720-WA0011Nun steckt das Innenleben in das Außenleben, dieses wird am oberen Rand doppelt eingeschlagen und sauber abgesteppt, so dass eine ordentliche Kante entsteht.

Inzwischen ist die Tasche fertig und war schon zweimal in Gebrauch. Letztlich wäre sie sogar etwas kleiner in Ordnung gewesen, aber mal sehen wie ich das nach einem Tag am Meer sehe und nicht nur ein paar Stunden Schwimmbad. Ich bin schwer verliebt in die Tasche und herzlichen Dank an alle Ideengeber!

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„Das Leben ist schön“

So steht es geschrieben in der Todesanzeige von Jule. Jule war in meinem Alter, selbst in der Intensivmedizin tätig, wunderbar durchgeknallte Mama von Justus und Anton, Grundschüler, Fussballer, Kichererbsen. Und wir, wir waren ihre letzte Option. Waren.

Ich erinnere mich an 2010, endlich in diesem Krankenhaus angekommen, 8000 Mitarbeiter, 24 Kliniken, 1500 Betten. Nicht mehr damit beschäftigt was man nun wo findet und wen man wie erreichen kann. „Wir übernehmen eine Krankenschwester, aus dem Haus, mit Leukämie.“ Dass dieser Tag mich bis heute verfolgen wird, hätte ich auch nie gedacht. Wir therapierten, freuten uns, waren schockiert, therapierten wieder, transplantierten, rätselten über Komplikationen, freuten uns, kämpften, schimpften, lachten, hofften. Wir erfreuten uns an Kindergartengeschichten, Schulgeschichten, Witzen, Anekdoten. Wir waren erneut schockiert, schockstarr, erschlagen, therapierten, transplantierten, fieberten mit als Angehörige Unfälle oder Herzinfarkte hatten. Wir hofften wieder und landeten auf dem Boden der Tatsachen. Wir hielten ihre Hand, lachten, schnauften, umarmten sie und ihren Mann. Und begleiteten sie die letzten 22 Stunden, durften sehen wie sehr sie geliebt wurde, wie Familie und Freunde an ihrer Seite waren.

Standen heute an der Kaffeemaschine, verkniffen uns Tränen, philophilosophierten über sieben Jahre Kampf, Angst und viel Freude. Öffnen die Zeitung, Lesen.

„Das Leben ist schön“

Die Sache mit dem Urlaub

„Ihr seid auch nur noch im Urlaub“ diesen Satz hab ich in letzter Zeit ziemlich häufig gehört. Die Einen mit neiderfüllter Stimme, die Anderen voll Freude für uns. Aber warum ist Urlaub so wichtig für uns?!

Ich glaube es sind mehrere Punkte, es geht weniger um Urlaub, als um das raus in die Welt kommen. Urlaub war für mich lange lange Zeit ein Fremdwort. Ich kann die Urlaube mit meinen Eltern in meiner Kindheit an genau einer Hand abzählen. Nicht weil Sie sich keinen Urlaub leisten konnten, sondern vielmehr wegen der Landwirtschaft. Was für viele Menschen so idyllisch und romantisch scheint, ist in Wirklichkeit vor allem eins: Arbeitsreich!
Während die Kindergarten- und später Schulfreundinnen mit ihren Eltern ins Schwimmbad sind, Minigolfen oder Ski fahren waren, lag bei uns Kartoffeln graben, Heu heim fahren, Dreschen, Waldarbeit oder andere Arbeit an. Natürlich nicht nur, ich hatte eine unglaubliche erfüllte und spannende Kindheit. Ein mehrstöckiges Baumhaus am Waldrand, mehrere Lager am Fluss oder in Hecken, Schlauchboot fahren und Schwimmen im Fluss. Immer irgendwelche Tierkinder auf dem Hof, Ferkel, Kälber, Küken, Kitten. Im nachhinein bin ich unglaublich dankbar für all das. Auch dafür, dass wir aufgrund der Umstände zu viel Selbständigkeit erzogen wurden!

Als Kind sah ich das natürlich alles anders! Mein Vater war genau zweimal mit uns im Schwimmbad, als ich Seepferdchen machte und später als meine Schwester so weit war. Genauso beim Ski fahren, mit erfolgreichem Abschluss des ersten Skikurses. Ich kann mich an zwei Zooausflüge erinnern, einen Tag am See mit Bootfahren, zwei oder drei Ausflüge in ein Felsenlabyrinth und viele, viele, viele Spaziergänge zum Kontrollieren der Wälder, Pilzsammeln etc.

Die ersten zwei Urlaube, noch vor meinem dritten Geburtstag führten uns damals nach Jugoslawien. Die Kwarner Bucht war unser Ziel und unseren Urlaubsfotos zu folge waren es grandiose Urlaube mit viel Meer und Sonne und leckerem Essen. Später, als die Großeltern nur noch schwer die Landwirtschaft versorgen konnten, folgte ein Urlaub nahe Nordstrand, der in meiner Erinnerung vorallem von Regen oder der Bahnlinie hinter dem Garten des Ferienhauses geprägt war. Ein Jahr später, eine Woche auf Fehmarn ist geprägt von viel, viel Sonne und meinem ersten Lenkdrachen.
Am Ende der Grundschule folgte nochmal ein Wochenende in der Nähe von Eichstätt, während meine Eltern bis heute behaupten, dass die drei Tage Versteinerungen suchen auf meinem Mist gewachsen seien, bin ich von diesem Wochenende bis heute genervt.

Die Jahre zwischen Auszug und Geburt vom Küken verbrachte ich irgendwie vorallem mit Lernen Lernen Lernen, Geld verdienen und viel Ehrenamt. Als das Küken da war, war vorallem Geld knapp und so folgten die ersten Urlaube mit wenig bis keinem Budget. Stolz wie Oskar dem Küken meinen Bodensee zu zeigen, den ich bereits als Teenager mit einem Musikerkollegen immer wieder besuchte. Erst mit etwas Berufserfahrung und geregeltem Einkommen begann ich mit und ohne Küken durch die Welt zu reisen. 5***** Luxushotels, Zelten, Dienstreisen, Low budget, Rucksack, Ferienhaus, Wellness. Vier Kontinente. Städtereisen, Skiurlaube, Kreuzfahrten, Land und Leute, Arbeit.

Und inzwischen geht es gar nicht mehr um Urlaub und Erholen – vielmehr um raus aus dem Alltag. Ein bisschen Abenteuer, neues sehen. Und nach Skiurlaub und Bodensee geht es nun an die Planung für den Sommer:

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Ostern am Meer

Naja fast. Also an meinem Ersatzmeer, dort wo sich das wohlige Gefühl von Heimat einstellt, am Bodensee.

Eigentlich wollten wir ursprünglich nur einen Tag das kurende Küken im Schwarzwald besuchen. Aber Dank dem Wohnmobil verbanden wir es mit einem langen Wochenende am See. Denn wer hätte es gedacht, nach einem Jahr hab ich mich mit dem neuen „Familienmitglied“ angefreundet und muss zugeben, dass Camping erholsamer ist als ursprünglich mal gedacht.

So starteten wir bereits am Donnerstag, pünktlich um drei, um dem Osterwochenendeverkehrschaos aus dem Weg zu gehen. Und was soll ich sagen, der Plan ging auf. Pünktlich um 19 Uhr erreichten wir unseren Campingplatz. Schnell den Grill angeschmissen und dann einen wunderschönen Sonnenuntergang am See erlebt.

Der Campingplatz „Gohren am See“ gehört mit über 1000 Stellplätzen sicherlich zu den Großen am Bodensee. Die Waschräume waren stets sauber, teils alt, teils nigelnagelneu. Neben vielen Dauerstellplätzen haben wir uns einen relativ kleinen Stellplatz direkt am Seeufer erjagt. Die Auswahl des Supermarkts am Platz konnten wir am Karfreitag direkt testen, als wir spontan beschlossen ob des tollen Wetters am Abend nochmal zu grillen. Das hatten wir uns nach einer Radtour nach Lindau auch redlich verdient.

Lindau selbst ist einfach traumhaft, besonders bei so schönem Wetter. Nach einem ausführlichen Spaziergang über die Insel besuchten wir spontan die Ausstellung mit Werken von Paul Klee, die noch bis zum Sommer zu bewundern und sehr zu empfehlen ist. Im Anschluss ließen wir uns direkt am Hafenbecken vom Lindauer Hof kulinarisch verwöhnen. Nach dem Essen sollst du Ruhen oder einen Leuchtturm erklimmen, zumindest bietet sich dies hier an. Und wer schon mal dort war, wird mir zustimmen, es lohnt sich Zeit mitzubringen und die Wandbeschriftungen alle brav zu lesen. Die Aussicht vom „Gipfel“ ist traumhaft und spätestens jetzt verliebt man sich in den See!

Am Samstag war nach einer längeren Autofahrt dann Titisee-Neustadt unser Ziel, bevor wir durch den Ort bummelten und lecker Kuchen aßen verbrachten wir drei Stunden im GALAXY des Badeparadieses. Nicht ganz billig, aber wunderbar lustig, spannend und vor allem laut! Mit vielen Rutschen, ich hab sie nicht gezählt, aber mehr als zehn definitiv und einem Wellenbad steht vor allem Spass an erster Stelle. Ein Ruhebereich lädt zum entspannen ein.
Am Abend zurück am See zeigte sich dann nach all dem Sonnenschein das Wetter von seiner nassesten Seite und so regnete es bis zur Abreise am Montag dann durch. Dennoch genossen wir auch den Sonntag in Friedrichshafen. Für das Zeppelin Museum muss man auch beim vierten Besuch immer noch viel viel Zeit mitbringen. Neben der großen Ausstellung über Zeppeline gibt es zwei große Bereiche mit Wechselaustellungen. Zum Thema „Streamline – Faszination des geringen Widerstands“ wurde im technischen Bereich ausgestellt, den wir nur kurz und relativ oberflächlich besuchten. Im Kunstbereich befassten wir uns ausführlich mit 400 Werken von Otto Dix. Wer das Museum mit allem was es zu sehen gibt voll nutzen will muss hier wenigestens fünf Stunden einplanen, für Kinder geht es auch etwas zügiger, aber mit grandioser Museumspädagogik! Also egal für wen, ein Besuch ist sehr empfehlenswert.

Leider ging dieses Wochenende viel zu schnell vorbei und zu Hause wartete zur allgemeinen Freude Schnee. Viel Schnee. Nun wird es aber Dank vollem Terminkalender bis Juni dauern, bis das Wohnmobil mit uns wieder auf Reisen darf.